Archive for Oktober, 2008

Gran Trail Rensen 70km + 4000HM vom 24.10.08 (Laufbericht)

Dienstag, Oktober 28th, 2008

Teil 2 - der Laufbericht

Nun stand ich hier, mitten in einer lauen Sommernacht, Sommer?!?, so kam es mir vor, denn die gemessenen 19 Grad vom Freitagabend hatten sich nicht spürbar gesenkt. Mir war warm mit dem Funktionsunterhemd, dem Laufshirt und den Ärmlingen. Glücklicherweise hatte ich mir einen vernünftigen Laufrucksack zugelegt, denn durch das ausgeklügelte Belüftungssystem lag dieser nicht direkt am Rücken und wärmte somit nicht zusätzlich. (Der Rucksack hat ein stabilisierendes Netz, welches direkt am Rücken liegt, dazwischen ist ein Hohlraum und dann folgt erst der Rucksack, sodass sich hier keine Wärme stauen kann.)
Es war ca. 3:50 Uhr als die letzten Läufer eintrafen, 2 von ihnen hatten sogar Hunde dabei.
Sollten das etwa Suchhunde sein?!? *gg* Später fand ich das gar nicht mehr so abwegig. ;-)
Ich saugte die Atmosphäre auf, machte Bilder von den ca. 150 Startern und wunderte mich keineswegs über die besondere Ultralauf-Atmosphäre. Ein kleiner eingeschworener Haufen von verrückten Frauen und Männern, die sich nachts treffen, um 70km durch Liguriens Berge zu laufen. Nervosität kannte ich keine mehr, was hatte ich mich die letzten Wochen und Tage verrückt gemacht, bin sogar kurzfristig 1 Woche vorher den Rothaarsteig-Marathon als Beruhigung gelaufen. Und jetzt?!? Nichts mehr, total locker, wahrscheinlich mit einem sensationellen Ruhepuls vor einem Start. ;-)
[B][I]Übrigens noch mal ein “großer Dank” an Walter (viermaerker) für die Hilfe, als ich auf der Suche nach einem kurzfristigen Quail-Lauf für Mont Blanc 2009 war und er mir den Gran Trail Rensen vorgeschlagen hat.[/I][/B]
Es folgte eine letzte Ansprache des Organisators, wahrscheinlich mit irgendwelchen wichtigen Informationen, was die ersten Kilometer oder den ersten Berg betraf, soweit konnte ich mir es zusammenreimen, aber alles andere waren nur böhmische Dörfer für mich. Ich verstand überhaupt nichts!! ;-) Aber auch das war mir egal, war ich etwa zu locker drauf?!? Ich glaube, es war die Überspielung der Angst vor dem, was da auf mich wartete.
Es erfolgte der Start um 4:00 Uhr und die kleine Läuferschar machte sich langsam und unterhaltend auf den Weg, es wurde gelacht, sich abgeklatscht.
Nach weniger als 5 Minuten waren wir bereits an der Promenade von Arenzano und liefen am rauschenden Meer entlang, einfach klasse! Mir war immer noch warm und ich schob die Ärmlinge hinunter, die ersten Kopfleuchten wurden eingeschaltet, denn es ging von der Promenade in einen teils beleuchteten Tunnel, raus aus dem Ort und hinein in eine erste leichte Steigung. Noch liefen wir auf Asphalt und waren erst ca. 15 Minuten unterwegs, als sich die Läufer mehr und mehr auseinanderzogen und wir an Industriebetrieben vorbeiliefen.
Aus der ersten leichten Steigung wurde eine dauerhafte Steigung, die ersten gingen hier bereits, erstaunlich viele waren übrigens mit Stöcken unterwegs, ich würde mal behaupten, das es ungefähr die Hälfte aller Läufer waren.
Im Mittel ging es hier “nur” um etwas mehr als 5 % auf km 2 - 5 hinauf, bevor es dann bis km8,5 um 3 % hinauf ging und es dort den ersten kleinen Scheitelpunkt gab. Durchatmen war hier allerdings nicht angesagt, eher waren diese 229 Höhenmeter auf den ersten 8,5 km zum Warm werden. Ich hatte mir das Profil zwar oft angeschaut, es aber besonders am Tag vor dem Start vermieden, mich selbst damit verrückt zu machen.
Denn jetzt ging es erst richtig los!!! Nach einem kurzen Negativsplit auf 210 HM, hieß es Augen zu und durch. *lach*
Innerhalb der nächsten 8km ging es nur bergauf, steil bergauf, teils fernab jeder normalen Trampelpfade und dabei sehr steinig!! Mit 17% prozentiger Steigung ging es hinauf von km 9 bis km 11,5 auf 750 HM zum Fonte Montebello, um von hier weiter auf 957 HM des “Bivio Sciguelo” zum 1103 Meter hohen “Pra riundo” (1. Gipfel) zu kommen. Von dort hieß es ca. 1 km in leichtem Höhenverlust von ca. 20 Metern zum “Bivio Monte Rama” (1080 M) zu gelangen und hier auf 500 Metern länge wieder 60 Meter nach oben auf den 2. Gipfel des Monte Rama (1148 M) zu stürmen.
Stürmen war das richtige Wort, den am 1. Gipfel (Pra riundo)musste ich bereits meine Regenjacke anziehen, da es nicht nur kalt und stürmisch war, sondern zu meinem Bedauern auch noch leicht regnete. Bedauerlich deshalb, weil es nach dem 2. Gipfel jetzt bergab ging, steinig bergab, im Dunkeln und bei Nässe. Ich musste grinsen, als ich daran dachte, das ich im Startbereich eigentlich das Gefühl hatte, das mir zu warm war. Jetzt war ich froh über den leichten Zwiebellook und das Bandana, welches ich dabei hatte.
Dennoch war es ein geiles Gefühl, hier oben am Gipfel zu stehen, nichts als Dunkelheit, kein Licht weit und breit, eher neblig, nass und kühl. Ich musste an das Zugspitzdrama denken und konnte mir nicht vorstellen, wie blauäugig man eigentlich an so etwas herangehen konnte.
Obwohl ich nicht viel sah, musste ich dennoch ein paar Bilder machen. ;-)
Es waren gerade ein mal ca. 17 KM der Gesamtstrecke hinter uns und ich hatte bereits jetzt
300 HM mehr hinter mir als beim gesamten Rothaarsteig-Marathon mit seinen 838 Höhenmetern.
Mittlerweile hatte sich eine kleine Gruppe von Läufern gefunden, teilweise waren wir zu viert und dann wieder zu sechst unterwegs. Jetzt wo es mit etwas mehr als 23% Gefälle auf den nächsten ca. 4 km von 1148 Meter bis auf 196 Meter nur bergab ging und wir uns gegenseitig mit unseren Kopflampen Unterstützung leisteten, waren wir froh nicht alleine zu sein, denn der steinige Abstieg war alles andere als einfach.
Auf knappen 200 Metern und dem “Bivio sentiero A lerca” angekommen, konnten wir nun wieder lockerer die nächsten beiden Kilometer bis auf 75 HM hinunterlaufen und die Beine wieder etwas schonen, da das serpentinenartige heruntergehen belastend war.
Ich hatte meine beiden MP3-Player zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht aus dem Rucksack geholt. Eigentlich bin ich auf den Ultrastrecken immer mit Musik unterwegs, das ich dabei besonders gut abschalten kann. Ich traute mich einfach nicht, ich hatte Angst, das ich abgelenkt werden würde und dabei einen falschen Tritt machen würde. Die habe ich auch so gemacht, aber glücklicherweise ist nichts schwerwiegendes passiert, zumindest nicht bis dahin.
Mittlerweile waren wir wieder im Tal bei 75 HM angelangt und durften uns zugleich auf den Weg zum nächsten wirklichen Gipfel machen, denn über kleinere Zwischengipfel bei 900 HM, 942 HM führte uns nun der Weg zum Rifugio Arentea auf 1097 HM und das bei wiederum innerhalb 5km. ;-)
Ich glaube, das ich bei dieser Gipfelkletterei das erste Mal geflucht habe, denn Passagen zwischen 19% und 25% wechselten sich hier ab. ;-) Es war teilweise so steil, das ich mich von Strauch zu Strauch ziehen musste, weil ich sonst drohte wieder runter zu rutschen. :hihi:
Hier war die Geduld der Gruppe, bzw. die Anwesenheit der immer noch anderen Läufer unheimlich wichtig und förderlich für die Moral!!!
Oben angekommen, wies man uns den kurzen Weg hinab, bevor es dann zum nächsten Gipfel ging. Es standen tatsächlich auf fast jedem 2 Gipfel Helfer, die den Weg wiesen und das bei dem bescheidenen Wetter.
Hatte ich schon erwähnt, das wir, bzw. ich nach ca. 4 Stunden den ersten Verpflegungsstand am 2. Gipfel bereits hinter uns hatten?!? *lach* Hier war ja “Eigenverpflegung” gefordert, daher waren auf der gesamten Strecke nur ca. 5 oder 6 Verpflegungsstände und nur bei 1 Stand, den man 2 x erreichte, gab es auch etwas zu essen (Bananen, Orangen, Kekse, Salzgebäck, Salamibrote und Trockenobst und Gatorade), sonst beschränkten sich die Stände auf Wasser und Tee, mehr nicht!! Aber das wusste ja auch jeder, daher war es okay!! ;-)

Ich weiß nicht mehr, wieviele Stunden wir bereits unterwegs waren, nicht mehr laufend, sondern schon stundenlang gehend, besser wandernd. ;-) Auf jeden Fall ging es jetzt wieder die nächsten knappen 4km hinunter bis auf 752 HM, bevor es dann zum 5. Gipfel und dem Monte Reixa hoch auf 1183 HM, dem höchsten Punkt der gesamten Strecke ging.
Leider gab es hier einen folgenschweren Zwischenfall eines Läufers unserer Gruppe, der uns immer noch anführte. Folgenschwer deshalb, weil die Strecke immer fernab von offiziellen Wegen stattfand, sozusagen über “Feld und Wiese”, über “Stock und Stein”. Er hatte nur einen Moment nicht aufgepasst und ist über einige größere Steine gestiegen und hätte dann eigentlich nach links gehen müssen. Aus irgendeinem Grund, vielleicht war er schon zu konzentriert oder zu lange als unser vorderster Läufer unterwegs, das er geradeaus ging und der Länge nach in einen kleinen Teich landete. Wir kümmerten uns sofort um ihn, halfen ihm raus und waren heilfroh, das sämtliche Steine (oder sollte ich von Brocken reden) um das Wasserloch herumlagen und er “nur” nass wurde. Er fluchte kurz, machte sich sorgen um sein “Mobile” und ging nun an 3 Stelle weiter. Einfach so, als wäre nichts passiert. Klatschnass und eiskalt muss ihm gewesen sein, aber er blieb hart und zog sich erst an der Kontrollstelle des Monte Reixa (5. Gipfel) die Jacke an. Sein Partner ging aber weiter und wartete nicht auf ihn, wir anderen 3 wussten nicht, ob wir warten oder mitgehen sollten. Wir riefen ihm hinterher, das sein Freund sich seine Jacke aus dem Rucksack holen und anziehen würde, aber er marschierte weiter. Wir (3) blieben zusammen und gingen langsamer, leider sahen wir unseren gestürzten Mitläufer nicht mehr, auch nicht beim Abstieg der nächsten beiden Kilometer hinab bis zum Passo Cerusa auf 931 HM. Das Gefälle hielt sich dieses Mal mit 9% bzw. 7% sehr in Maßen und war fast angenehm für die Gelenke. ;-) Der Abstieg währte allerdings nur für knappe 2km, denn nun ging es noch einmal hinauf zum 6. Gipfel mit dem “Bric Dente (sotto).
Meine Fußsohlen qualmten schon seit einigen Kilometern, denn mit jedem 2. Schritt stand ich auf einem Stein, mal halb, mal ganz und mal nur mit der Fußspitze. Kein Schuh der Welt könnte wohl diese Dämpfung bieten, die ich mir nun herbeigesehnt hatte. Es tat an den Zehen weh, an der Ferse und wer weiß sonst noch wo. Oder waren das alles nur eingebildete Druckstellen und leichte Wehwehchen?!? Wahrscheinlich, denn so sehr die Füße (und auch die Beine) gefordert waren, hatte ich jeweils nur 1 kleine Blase und keinen einzigen Krampf!!!!! Ein hoch auf die CEP-Strümpfe. *lach* Aber die gingen ja nur bis zu den Knien!!! Bergab war jedoch alles oberhalb der Knie gefordert.
Jetzt ging es wieder für knappe 100 HM hinunter, bevor es dann leicht zu einem „Zwischengipfel“ ein paar Meter hinaufging. Ich lasse ihn mal als Gipfel aussen vor. ;-)
Hatte ich schon erwähnt, das es seit langer, langer Zeit hell war und so langsam wieder dämmrig wurde!! Kurz nach dem kleinen „Zwischengipfel“, dem „Bivio Fiorino“ kam eine weitere Überraschung. Okay, es ging wieder hinab bis auf 244 HM, eigentlich kein Problem, wenn da nicht einige Helfer am Berg waren. Aber wofür, um uns den Weg zu weisen, reichte doch bisher immer eine Person, aber nun hörte man sie sich unterhalten, aber man sah sie nicht!! Als ich die ersten 10 – 15 Meter hinabstieg wurde mir bewusst, warum man niemanden sah, sie standen zwischen den Büschen und Steinen, es ging serpentinenmäßig abwärts, gesichert mit Gummibändern, wie man sie vom Klettern kennt. Auf einer Länge von ca. 100 Metern und das zweimal waren diese Seile gespannt,
damit ein sicheres absteigen möglich war. Dennoch setzte ich mich dreimal auf den Hosenboden, 2 mal rutschend und einmal, weil ich daneben gegriffen hatte, aber dafür einen dickeren Ast greifen konnte. Glücklicherweise war hier alles dicht bewachsen. Nicht so ein paar hundert Meter weiter, da türmten sich auf einmal am Berghang riesige Steinmassen auf, die sahen wie Gerölllawinen am Hang aus, nur irgendwie schlafend. ;-)
Als ich sie vor einigen Stunden von unten, nach dem Abstieg eines anderen, vorherigen Berges sah, wirkte dies sehr beeindruckend. Jetzt, wo ich unmittelbar davorstand und sah, das ich über diese Steinbrocken den Berghang entlang musste, kam etwas unwohlsein hinzu. Waren diese Massen nicht immer irgendwie in Bewegung, bzw. könnten sie jederzeit durch Erschütterungen wie eine Lawine runter stürzen?!? Keine Ahnung, warum ich mir gerade jetzt dieses Szenario ausmalte. Es waren oberhalb der Überquerung tausende von Steinen und unterhalb der Überquerung, der sogenannte „Weg“ war ca. 1 Meter breit und ca. 20 – 30 Meter lang. Beim ersten Mal war es Überwindung, dennoch musste ich wieder einige Bilder machen, es sah zu unwirklich aus. Diese Passagen waren aber dennoch sicher, denn kein Stein bewegte sich. Das sich dieses Manöver noch 4 mal wiederholte, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen. Aber bei allen steinigen Überquerungen konnte man sich relativ sicher fühlen. So zog sich der Weg teils spektakulär hinab bis nach Fiorino auf 244 HM.
Jetzt ging es nicht weniger spektakulär weiter, unabhängig davon das es auf den nächsten beiden Kilometern wieder 200 HM hinauf ging, wandelten wir auf kleinen Bergkämmen danach wieder 200 HM hinunter. Es sah einfach klasse aus, tolles sonniges Wetter, schöne und beeindruckende Aussicht.
Aber dies nur am Rande, auch wenn ich nie die Sicht für das wunderbare Panorama verloren habe, egal ob dunkel, dämmrig oder taghell, es war immer beeindruckend.
Zwischendurch habe ich jedes Gefühl für die Zeit verloren, war einfach unterwegs und konnte mich links wie rechts nicht satt sehen. Selten waren Wege zu sehen, Häuser schon gar nicht, aber dafür jede Menge Berge ringsum, mal bewaldet und mal steinig karg.
Diese Bilder werde ich so schnell nicht vergessen!!
In „Bivio Sambuco“ auf 230 HM angekommen, gab es die letzte Verpflegungsstation, und zwar diejenige, die auch etwas zu essen anbot und wir zum zweiten Mal ansteuerten. Wir befanden uns ca. bei KM 55 und ein weiterer Gipfel türmte sich vor uns auf, es sollte der 3. letzte Berg sein, ich hoffte allerdings, das es der letzte wäre, denn ich war stehend ko,
bei dem Anblick aus dem Tal nach oben, zusätzlich gedanklich fertig. Ich sah auf der Hälfte des Anstiegs 2 Läufer, besser Wanderer ;-), sich nach oben quälen.
Der Aufstieg zum Gipfel sah beeindruckend aus, 700 Meter sollte es nun in die Höhe gehen, bis auf 955 HM des „Bivio Malanotte“. Ich weiß nicht, wie lange ich für den Aufstieg benötigte, aber es war sicherlich eine knappe Stunde. Ich musste 2-3 Pausen zwischendurch einlegen, mich festhalten und schräg im Hang stehend nach oben schauen, um zu sehen, wie weit es noch ist. Oben leuchtete eine Lampe, gut dachte ich, wieder ein Helfer, also musste es danach abwärts gehen. Aber er wirkte noch so weit weg.
In Schlangenlinien folgte ich den kleinen Hinweisen am Boden, den Markierungen an den Sträuchern und bewegte mich Meter für Meter nach oben. Bei meiner letzten Pause kurz vor dem Gipfel blickte ich nach unten, ich sah ein weiteres Licht auf halber Höhe. Schön, dachte ich, da kommt also noch jemand, denn mittlerweile war ich alleine unterwegs.
Oben angekommen, wies mir der Helfer den Weg für den Abstieg, sprach mich wie übrigens alle Helfer zuvorkommend, nett, helfend sofort auf Italienisch an. Ich grinste und sprach mein Wort des Tages, „Tedesco“. Sofort wussten sie, das ich Deutscher bin und kein Wort verstand. Sie kombinierten nun ihre Sprache mit den typisch italienischen Gesten von Händen und Füßen, oder versuchten es in Englisch. Einfach klasse diese Italiener, bzw. die Helfer und Organisatoren und das bei der „ERSTVERANSTALTUNG“!!!!
Meine Regenjacke hatte ich übrigens schon lange nicht mehr ausgezogen, denn zum Einen wurde es wieder dunkel und frisch und zum Anderen war es hier oben auf dem Gipfel windig und kalt. Diese karge Gegend hielt aber eine kleine Schafherde nicht davon ab, hier oben in der Dunkelheit zu grasen, ich hörte ihre Glocken und sah sie dann auch später, als sie mich bemerkten und wahrscheinlich aus Angst vor dem Licht langsam das Weite suchten.
Vom „Bivio Malanotte“ ging es nun 200 HM hinab zum „Passo Gava“. Der Weg hinab wurde langsam anstrengender als der Weg hinauf, die Oberschenkel brannte und die Konzentration musste immer noch auf höchstem Niveau sein, denn jeder falscher Schritt konnte der letzte sein und zu einer Verletzung führen. Ich holte meine zweite Caplight aus dem Rucksack und klemmte sie an meine Kappe. Nun sah ich alles sehr viel deutlicher,
dennoch rutschte ich auf einem nassen Stein aus und fiel auf den Hintern. Was war ich froh, das es kein spitter Stein war, sondern ein großer und flacher Stein, das interessierte zwar nicht den nun folgenden Schmerz, aber mich, denn wie sollte ich beim Anruf der Notfallnummer bei echten Schwierigkeiten mitteilen wo ich bin?!? Ich machte mich gerade selbst verrückt, versuchte aber die entstehenden Gedanken zu verdrängen. Ich sagte mir, lass Dir Zeit, schließlich musst Du in 2 Wochen zum nächsten Ultra-Trail nach Hildesheim zum KiLL50, um die restlichen Quali-Punkte für Mont Blanc zu ergattern.
Mont Blanc?!? Was ist das?!? Das war auf einmal soweit weg. Ich bin hier gerade mal 4000 Höhenmeter unterwegs gewesen, wenn ich das Ziel erreicht habe, rund um den Mont Blanc müsste ich mit 8000 oder 9000 Höhenmeter kämpfen. Erste Gedanken um eine Verschiebung auf 2010 kamen in Betracht, oder der Verzicht überhaupt.
Ich mag ungefähr eine Viertelstunde so mit mir selbst auf dem Stein im Gespräch gewesen sein, da tauchte das erste Licht in meiner Nähe auf. Es war die Person, die ich vorhin auf dem Aufstieg zum „Bivio Malanotte“ gesehen hatte, eine Frau, gezeichnet im Gesicht. Ihr folgten 2 weitere Lampen, hmmm, waren noch andere Läufer auf der Strecke?!? Auch sie kamen immer näher, aber es waren keine Läufer. Es waren 2 Helfer von der letzten Verpflegungsstation, die sich auf den Weg machten um hinter der letzten Läuferin alle Wegmarkierungen entfernten und sicher stellten, das sie sicher ins Ziel kam.
Wir kamen ins Gespräch und vereinbarten, das wir gemeinsam „finishen“ wollte.
Ihre Zeichen im Gesicht, waren Spuren von mehreren Stürzen. Es waren kleinere Schürfwunden am Kinn, der Wange und oberhalb der Augenbrauen, glücklicherweise sah es nur im ersten Moment heftig aus, wahrscheinlich weil ich nicht damit gerechnet hatte, so etwas zu sehen. Aber sie beteuerte, das es ihr gut geht, zumindest was das Gesicht betrifft, der Körper würde ihr etwas anderes signalisieren. Dabei lächelte sie, ich lächelte zurück und gab ihr zu verstehen, das ich auch stehend ko wäre.
So leuchteten wir uns gegenseitig den Abstieg und fühlten uns nun sicherer, da wir mittlerweile zu viert unterwegs waren.
Ein weiterer Gipfel türmte sich im dunklen auf, wir sahen ihn nicht wirklich. Das einzige was wir sahen, waren die Reflektoren der Bänder, die wir durch unser Licht in der Dunkelheit sahen und die führten uns hinauf, steil hinauf. Denn innerhalb es halben KM sollten wir nun wieder 170 HM hinauf zum 925 HM gelegenen Monte Tardia. Gipfel-Nr. 6 oder 7, es war mir so egal, ich wollte nur endlich wieder das Meer in der Ferne sehen und wissen, das Arenzano, sprich das Ziel nicht mehr weit sei. *lach*
Es war mühselig sich hier rauf zu quälen, da es teils wieder sehr steil zu ging. Aber die Zuversicht in der Gruppe stieg, alleine die Anwesenheit der Anderen bestärkte mich und wahrscheinlich auch meine Begleiterin.
Ich ging die ganze Zeit an führender Position, bergauf und bergab, irgendwie hatten wir das gleiche Tempo, wobei ich bei den Abstiegen immer etwas vorausging. Ob sie sich dabei verletzt hatte?!? Sie wirkte sehr vorsichtig.
Über den „Passo Gavetta führte der Weg hinab bis zum „Bivio sentiero A“ auf 427 HM.
Sollte es nun nur noch bergab gehen, nachdem wir nun mehr als 3 KM hinuntergingen?!?
Ich wartete mal wieder, da ich mich ungefähr 100 Meter entfernt hatte, die kurze Pause tat mir gut, körperlich wie gedanklich. Ich sah zumindest keine hohen Berge mehr in der unmittelbaren Umgebung. Das machte zusätzlichen Mut, auch wenn hier die Reklektoren leicht oberhalb meiner Position zu erkennen waren, zumindest die nächsten beiden.
Ich äusserte mich, das ich nicht mehr kann, da meinte unser Begleiter von den Organisatoren, das es der letzte Anstieg wäre und danach es nur noch hinunter in Richtung Arenzano führen würde. Wollte er mich beruhigen oder erzählte er mir die Wahrheit?!? Ich glaubte ihm und rappelte mich noch einmal oder schon wieder auf. ;-)
Es kam tatsächlich der letzte Berg, oder besser der letzte Hügel, denn vom 427 HM liegenden „Bivio sentiero A“ ging es „nur“ auf 634 HM des „Ciasa balla“.
Ich hätte ihn umarmen können, ich hätte alles und jeden umarmen können, denn nun konnten wir in der Ferne Häuserlichter, Straßenlaternen und auch in weiter Ferne Arenzano erkennen. Wie weit mag es noch sein?!? Ich schätze es noch auf mindestens 5 Kilometer, aber das war mir egal. Es ging nun definitiv abwärts und in Richtung Zivilisation. *gg* So langsam wurde der Abstieg vom „Ciasa balla“ über den „Cima di mezzo“ etwas angenehmer, die Steine wurden weniger und es kam mehr Schotter zum Vorschein. Die Fußsohlen hatten eh nichts mehr zu melden, auf dieses Meckern hatte ich schon seit einigen Stunden nicht mehr reagiert. ;-) Der Weg führte weiter hinab und bog letztendlich ins nichts! Wie sollte es jetzt weiter gehen, etwa auf dem Schotterweg?!?
Eine fast „Straße“?!? Wir konnten auf einer Straße gehen?!? Wie hatte ich das vermisst.
Aber auch hier ging es stetig bergab, im Mittel um ca. 14% herunter.
Aus dem Schotterweg, der uns ca. 2 Kilometer hinunterführte kam wir nun an die ersten Häuser und auf asphaltierte Straßen, eigentlich gut, aber die Dämpfung des Asphalts war bergab gleich null und ließ die Oberschenkel erneut leicht brennen.
Egal, das Ziel kann nicht mehr weit sein. Da blickte uns ein strahlendes Gesicht an, es war einer der (Haupt-)Organisatoren, der uns die letzten 1,5 km begleiten wollte. Er nahm der Italienerin den Rucksack und ihre Stöcke ab. Wir klatschten uns ab, sie unterhielten sich.
Glücklich und zufrieden, unsicher, ob ich mir Mont Blanc jemals antun sollte/würde, verging die Zeit und wir tauchten mehr und mehr im Ort Arenzano ein, das Leben pulsierte hier an jeder Ecke. Jedes Cafe, jedes Restaurant war gefüllt, man unterhielt sich auf den Straßen. Es war kurz vor 23 Uhr, wir waren seit 04:00 Uhr unterwegs und würden etwas weniger als 19 Stunden für die gesamte Strecke benötigen.
Noch eine Kurve und da war das Ziel, wir klatschten uns noch einmal ab und bedankten uns gegenseitig für das gemeinsame „Bergwandern“ der letzten ca. 3 Stunden.
Unsere Zeit wurde gemessen und kurze Zeit später hatten wir unsere Urkunden in der Hand. Es war noch alles soweit weg, ich konnte mich gar nicht richtig freuen, endlich über die Ziellinie gelaufen/gegangen zu sein.

Sofort wurden wir gefragt, ob wir etwas essen wollten oder ob wir zuerst duschen gehen würden. Die Duschen waren zwischen Strand und der Promenade, nicht weit vom Ziel und noch viel näher zum Organisationsbüro in einem ehemaligen Hotel, welches nur durch eine kleine Straße zur Promenade getrennt war.
Ich wollte zuerst duschen und dann essen, besorgte mir den Schlüssel für die Sporthalle und machte mich auf den Weg. Zurück im Hotel gab es alles, was man sich nur wünschen konnte, einen Stuhl, einen Tisch, was zu trinken, Brot und Butter, einen Teller herrlich zubereiteter Nudeln. Leider viel zu viel, ich bekam nicht viel herunter, wie immer nach Marathon oder Ultraläufen. Der Magen zieht sich zu und lässt nicht viel hinein, ausser jeder Menge Flüssigkeit. Aber davon hatte ich in den letzten Stunden genug. ;-)
Es wuselten noch einige Helfer im Büro herum, ich bekam mein Finisher-Shirt und realisierte urplötzlich, was in den letzten Stunden so abgelaufen ist. Ich wurde müde, bedankte mich für alles, was mir im Ziel an Unterstützung geleistet wurde und begab mich nach kurzer Rücksprache, wann ich denn den Schlüssel für die Halle wieder zurückgeben sollte, zur Sporthalle. Zwischen 8 und 9 Uhr wurde mir mitgeteilt, wäre eine gute Uhrzeit, denn am Sonntag sollte es ein sonniger Tag werden und da wollte man einiges unternehmen. ;-) Ich auch, nämlich die Heimreise nach Köln!
In der Sporthalle angekommen, wurde es plötzlich ziemlich ruhig, nichts mehr zu spüren von dem Trubel in der Nacht zuvor. Plötzlich übernachtete ich völlig alleine hier. Zufrieden und leicht frierend krabbelte ich vorsichtig in den Schlafsack, schloss die Augen und schlief nach kurzer Zeit ein. Ich habe weder von Bergen, Tälern, Steinen oder Schafen geträumt, es war einfach eine schöne, traumlose und tief schlafende Nacht.

Am Sonntagmorgen packte ich alles zusammen und fuhr mit dem Wagen zur Promenade, wartete dort auf die Schlüsselübergabe und ließ den Sonnenaufgang einfach auf mich wirken. Es wurde ziemlich schnell war und sonnig, ein wunderbares Panorama bildete sich mit dem Meer und den unmittelbaren Bergen. Hier könnte man, nein, hier müsste man eigentlich Urlaub machen!! Noch ein paar Bilder gemacht und dann auf der Bank gemütlich dem Treiben des frühen Morgens zugeschaut.
Da war sie wieder, die innere Zufriedenheit. So langsam kamen Bilder, Erinnerungen und Kuriositäten des Vortages in mir hoch. Die Freude stieg und so ein wenig auch der Stolz, es bis ins Ziel geschafft zu haben.
Eigentlich wollte ich es ja irgendwie zum Fori-Treffen des Frankfurter Marathon schaffen.
Ich war da wohl etwas zuuuuuuuuuu optimistisch. *lach*

Den Part der Rückreise erspare ich mir lieber, bis auf eine Schlussbemerkung.

Während der Fahrt durch die Schweiz hörte ich im Radio, das in England bei einem Marathon über 40km, bzw. Ultralauf über 80km, einige Teilnehmer vermisst würden,
die sich aber teils wegen des Unwetters unterstellen konnten, bzw. wegen der Pflichtausrüstung im Zelt übernachten konnten.

Es gab also noch mehrere Verrückte an diesem Wochenende. Hoffentlich gab es bei denen genauso wenig Verletzte wie bei der Veranstaltung in Italien.

Grüße
Michael

Vorbericht (Anreise) zum Gran Trail Rensen 70km + 4000 HM 24.10.08

Montag, Oktober 27th, 2008

Teil 1: Anreise

Für die Anreise hatte ich mich für eine kombinierte Zug-, Autoreise entschieden, da keine Direktflüge nach Genua am Tag vor der Veranstaltung kostengünstig zu buchen waren.
Zudem wusste ich ja nicht, wann ich ins Ziel kommen würde, wenn überhaupt und wie ich dementsprechend die Rückreise planen sollte?!?
Also plante ich mit der DB von Brühl (nähe Köln) bis Freiburg (Breisgau) und von dort aus mit dem Mietwagen bis Arenzano (nähe Genua). Die Rückreise wollte ich dann komplett mit dem Mietwagen zurücklegen. ;-)
Start war um 8:15 Uhr von zuhause aus, damit ich in Brühl gegen 8:30 Uhr incl. Besorgung einer Tageszeitschrift am Kiosk zeitig am Bahnhof war. Leider hatte ich durch das “Deutschland Spezial - 29 Euro” eine Zugpflicht einzuhalten, die wegen der aktuellen ICE-Probleme sicherlich schwierig werden würde, denn in Bonn hieß es umsteigen in einen EC nach Freiburg.
Kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gebracht, kam am Bahnhof Brühl schon die Durchsage, das sowohl der Regionalexpress, wie auch die Regionalbahn, Verspätung hätten. Da die Verspätung der (meiner) Regionalbahn zum Verpassen des Anschlusszuges geführt hätte, hob ich kurzerhand die Zugpflichtbindung auf und fuhr mit dem zuerst einfahrenden Regionalexpress nach Bonn. Dieser Zug war so voll, das eine Fahrscheinkontrolle wohl zur Farce für den Kontrolleur geworden wäre. ;-)
In Bonn angekommen, ließ die Durchsage einer Verspätung des EC´s nicht lange auf sich warten. Diese wurde auch nicht im Laufe der knapp 4-stündigen Fahrt bis Freiburg aufgeholt.
In Freiburg angekommen, machte ich mich auf die Suche nach der Straßenbahn, die mich in knappen 10 Minuten zur Sixt-Autovermietung führen würde.
Nur, welchen Fahrschein sollte ich lösen?!? Strecke 1(?!?) , Strecke 2(?!?), Kurzstrecke(?!?)
Wer konzipiert eigentlich diese Fahrscheinautomaten?!? Man sollte die Verantwortlichen mal in andere Städte schicken, damit sie sich dort für bestimmte Strecken Fahrscheine kaufen.
Ich drückte ein wenig herum und entschied mich für eine Fahrkarte für 2 Euro und dachte mir, das das ungefähr hinhauen sollte.
An der Autovermietung angekommen, stellte sich das 2. Problem des Tages fest. Das reservierte Auto war noch nicht fertig und würde auch nicht in der nächsten halben Stunde (ich war um eine halbe Stunde zu früh) fertig werden, also bot man mir einen höherwertigen Wagen an, der zum gleichen Preis, nicht auf meine Ablehnung stieß. *gg*
Kurz die Zieladresse im Navigationsgerät eingegeben und auf die knappen 540 km durch die Schweiz und Italien freuen. Das Wetter wurde zusehends besser und wärmer, je südlicher ich kam und sobald ich den Gotthard-Tunnel hinter mir hatte. Dieses Phänomen haut mich immer wieder um, bzw. hatte ich es noch nie, das auf beiden Seiten das gleiche Wetter herrschte.
In Arenzano (bei Genua) angekommen, machte ich mich nun auf die Suche nach dem Anmeldebüro, bzw. der Schule, wo man umsonst (Voranmeldung) übernachten konnte.
Dank der umfangreichen Vorabinformationen des Veranstalters per Post konnte ich dank der Stadtkarte beides ziemlich schnell ausfindig machen. Glücklicherweise war ich gegen 20 Uhr vor Ort (Schule), sodass ich noch einen Schlafplatz ergattern konnte, denn noch waren erst ca. 20 Läufer/innen in der Sporthalle. Dies sollte sich allerdings später locker verdoppeln, leider.
Ich deponierte meine Lauf- und Schlafsachen und machte mich auf den Weg zum Anmeldebüro um meine Startunterlagen abzuholen. Dort angekommen, herrschte reges treiben, sofort wurde ich als Teilnehmer erkannt und von 2, 3 Italienern angesprochen und verstand nichts. Dies bemerkte sie wohl an meinem Gesichtsausdruck. *gg* Als ich bemerkte, das ich ein “Tedesco” (Deutscher) bin, lächelten sie auch und riefen jemanden heran, der mich in Englisch nach Namen, Zertifikat, usw. befragte. Als ich anmerkte, das ich das alles bereits als Voranmelder per Fax zugeschickt hatte, herrschte etwas Ratlosigkeit. Ich bot jedoch an, meine Kopien, die ich sicherheitshalber dabei hatte, zu holen. Diese waren natürlich in der Sporthalle. *gg* Aber da mir Bewegung nach dem langen Sitzen in Zug und Auto gut tat, machte ich mich auf den ca. 10 minütigen Fußweg. In der Sporthalle angekommen, waren nun alle Schlafplätze an den Wänden entlang belegt. Es war nicht gerade leise, obwohl einige bereits in ihren Schlafsäcken eingemummelt lagen. Können sich Italiener eigentlich leise unterhalten?!? *lach* Aber da sich niemand von den “schlafenden” beschwerte, kam es nur mir als “Ausländer” wohl recht laut vor. ;-) Als ich das zweite Mal im Anmeldebüro ankam hatten wir schon 21:30 Uhr, klingt zwar jetzt wesentlich später, aber ich habe den lauen Abend genutzt um etwas in der Stadt spazieren zu gehen und die Promenade zu genießen. Urlaubsfeeling?!? Und was für einer, wieso war ich eigentlich zum Laufen hier?!? ;-) Nun zeigte ich den Organisatoren meine Kopien und sah, das sie zwischenzeitlich meine Unterlagen gefunden hatten. Sie verglichen sie und gaben mir meine Startunterlagen, bei dem sich unter anderem ein Fleece-Pullover mit Logo der Veranstaltung befand. Nicht schlecht, dachte ich, sah mir den etwas gewöhnungsbedürften Chip an, der am Handgelenk getragen werden sollte und wurde darüber aufmerksam gemacht, das das “Medical Certificate” nicht das Richtige ist. Schluck!! Ich hatte wie ein Jahr zuvor für den Paris-Marathon mir ein Medical-Certificate von meinem Arzt geholt, der dem Läufer bescheinigt, das er fit genug ist, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Die italienischen Veranstalter meinten damit aber, eine Bescheinigung vom heimischen “Athletic-Verein”!!!!! Da ich kein Mitglied in einem Leichtathletik-Verein bin, konnte ich auch nichts vorlegen. Glücklicherweise akzeptierten sie aber meine Bescheinigung, nicht auszudenken, wenn sie mich deswegen nicht hätten starten lassen. *puhh*
Leider musste ich mich dann aber doch das erste und einzige Mal an diesem Wochenende über die Organisatoren etwas ärgern, denn nun fragten sie mich, ob ich denn alles dabei hätte, “Pflichtausrüstung” und so. Ich bejahte dies und bin davon ausgegangen, das sie das vor dem Start kontrollieren würden. Dem war allerdings nicht so, sie wollten es jetzt sehen. Ich bemerkte, das sie mir das doch hätten sagen können, als ich schon wegen der Voranmeldekopien zur Schule gegangen bin. Sie entschuldigten sich und so machte ich mich ein weiteres Mal zu einem Spaziergang auf und suchte aus meinen Laufklamotten, den Laufrucksack, den Trinkbeutel, die Wärmedecke, Lampen, Batterien, Pfeife, Handy, Halstuch und die Regenjacke. Erneut im Büro angekommen, wurde alles zur Kenntnis genommen und mir der Startort und noch mal die Startuhrzeit (04:00 Uhr) mitgeteilt.
Müde und nervös zog ich ein letztes Mal zur Sporthalle zurück und bemerkte, das die Halle wieder voller geworden ist und nun auch mitten in der Halle alles voll war und der Geräuschpegel unwesentlich leiser war. Immer noch kamen neue hinzu, pumpten ihre Luftmatratzen auf, legten ihre Laufklamotten zurecht. Ich hatte eine selbstaufblasende Matratze dabei und platzierte ebenfalls meine Laufsachen am Laufrucksack. Ich entschied mich gegen eine langärmelige Variante, da es gegen 21 Uhr immer noch ca. 19 Grad waren. Da ich aber an das Zugspitzdrama denken musste, wir aber nicht soweit hinauf, aber dafür mehrfach auf Berge hinauf und in der Nacht loslaufen würden, legte ich ein Laufunterhemd zu meinem Laufshirt und packte dafür meine Ärmlinge mit ein, die schon beim kühlen Rothaarsteig ihren Dienst perfekt geleistet hatten.
Als ich meinen Trinkbeutel befüllen wollte, fiel mir fast die Flasche aus der Hand, weil doch tatsächlich einer der italienischen Läufer seine Triller-Pfeife ausprobierte!!!! Beim ersten Mal dachte ich mir noch nichts, als ich es aber zum zweiten und zum dritten Mal hörte, kam von mir schon das “hey” und dem Zeichen, das hier einige schon schlafen, herüber.
Aber nur von mir!!!!! Kein anderer regte sich auf, bemerkte etwas oder was auch immer!!!! Waren die alle schon in ihrem “Tunnel” und bekamen gar nichts mehr mit?!?
Mittlerweile waren es mehr als 40 Personen, vielleicht auch 50 Läufer/innen in der Halle und so langsam wurde es ruhig, schließlich hatten wir schon 22:30 Uhr. Jetzt hieß es aber schnell und knackig bis gegen 3 Uhr schlafen, sofern das überhaupt bei so vielen Leuten möglich ist.
Es war mehr ein Halbschlaf, denn ein ständiger Geräuschpegel herrschte in der Halle, zudem war die kurze Nacht um 02:30 Uhr vorbei, da die ersten ihre Wecker gestellt hatten und ihrer Nervosität freien Lauf lassen mussten. *lach*
Nun ging alles ruckzuck, die Zeit raste, alle packten ihre Klamotten zusammen, verfrachteten sie in ihren Autos und machten sich auf den Weg zum Start, der ca. 10 Minuten entfernt lag.
Ich bemerkte schon auf dem Weg zum Start, das die Nervosität verflogen war, es herrschte nur noch “verrückte” Vorfreude, hatte ich mir doch noch einmal das Profil angeguckt und erklärte mich das erste Mal selbst für bekloppt!! Es war warm, das Laufunterhemd schien mir zuviel zu sein, ganz abgesehen von den Ärmlingen, die ich schon anhatte. Puhh, einige waren in ärmellosen Shirts am Start und trugen einen Rucksack, der meines Erachtens höchstens für eine Laufweste platz bieten würde, vielleicht noch für eine 3/4 Tight, aber mehr sicherlich nicht.
Jetzt hätte ich mir gewünscht, sollten die Teilnehmer bezüglich ihrer Pflichtausrüstung überprüft werden. Hier hätten so 10-20 Teilnehmer der schätzungsweise 150 Startern über die lange Distanz kleine Schwierigkeiten gehabt. Aber dem war leider nicht so und ich war später froh, das ich alles dabei hatte, besonders über die zweite Caplight.

Ende Teil 1

Grüße
Michael

Rothaarsteig-Marathon vom 18.10.08

Montag, Oktober 20th, 2008

Ein Lauf gegen die Nervosität vor dem Gran Trail Rensen in Italien

Hin und wieder ist eine gewisse Spontanietät ja nicht falsch, wenn man sie dosiert umsetzt. ;-)
Geplant war der Rothaarsteig-Marathon überhaupt nicht. Da der anstehende Quali-Lauf in Italien mich aber wegen der Höhenmeter mehr und mehr nervös machte, entschied ich mich etwas für den Kopf zu unternehmen. Da die (Vor-)Eifel nicht weit von mir entfernt ist, sollte sich schon ein entsprechendes Trainingsgelände finden. Bis ich jedoch am Donnerstag einen Hinweis auf den Rothaarsteig-Marathon gefunden habe. Mmmhh, Rothaarsteig-Marathon im Sauerland, knappe 120km von mir entfernt, findet an einem Samstagvormittag statt und hat mit 838 Höhenmetern das richtige Trainingsprofil, okay, das ist es.
Vorgenommen hatte ich mir eine ungefähre Zeit von 4:30 Std. da das Höhenprofil ungefähr dem des Monschau-Marathon mit knappen 770 Höhenmetern ähnelt und ich diesen ebenfalls als Trainingslauf in 4:23 Std absolviert hatte. Herausgekommen ist nahezu eine Punktlandung von 4:28:45 Std. und einem mehr als beruhigtem Kopf. Nervosität wegen Gran Trail Rensen?!? Die hat sich verabschiedet!!!!! Zumindest vorerst.

Der Landschaftsmarathon im Sauerland ist absolut zu empfehlen!!!!
Wer einmal fernab der großen Stadtmarathons laufen möchte und mit einem kleinen Teilnehmerfeld keine Probleme hat, ist hier bestens aufgehoben.
Die Organisation klappt hervorragend, die Verpflegung war sehr gut und die Landschaft ein kleines Highlight, gerade wegen des klaren und sonnigen Wetters, auch wenn die Temperaturen teils unter 5 Grad waren. ;-)
Im Vergleich zum Roentgenlauf in Remscheid und dem Monschau-Marathon ist der Rothaarsteig-Marathon etwas herausfordernder, da man hier das Gefühl hat, das es bis ca. km 30 nur bergauf geht. Landschaftlich wird hier auch ein wenig mehr geboten, bzw. sind die Berührungspunkte mit der “Zivilisation” weitaus geringer. ;-)
Die ersten beiden Kilometer bewegten sich auf ebener Strecke. Wer danach nicht halbwegs eingelaufen war, hatte hier sicherlich schon die erste Bewährungsprobe vor sich, denn nun hieß es bis km 5 (Wolfskuhle) ca. 150 Höhenmeter zu erklimmen, bevor es dann 1 km Bergab zur “Auf der Böhre” ging und dann bis km 11 (Heidkopf) wieder 200 Meter nach oben zu erlaufen waren. Ab hier beruhigte sich das Profil etwas und die extremen Steigungen ließen etwas nach. Fortan war das Profil eher wellig und bewegte sich zwischen 650 und 758 Metern über NN. Die höchsten Stellen überquerten wir mit “Großer Kopf” (750 Meter) und “Kamm Talvariante” (758 Meter) bei KM 21 und 27
Erst jetzt konnte man ein wenig verschnaufen, denn ab KM 30 “Skihütte Schanze” sollte es die nächsten 6 km nur bergab gehen. Hört sich eigentlich klasse an, wenn dieses lange Bergablaufen nicht ein wenig auf die Gelenke gehen würde. ;-) Vorsicht war also geboten, denn danach kamen ja noch 6km auf ebener Strecke hinzu.
Zwischenzeitlich hatten wir übrigens die Teilnehmer der Halbmarathondistanz als Begleiter, denn die Strecken liefen teils parallel und teils wieder getrennt voneinander.
Auf den letzten 3-4 Kilometern kamen dann auch die Nordic Walker auf die Laufstrecke, die keineswegs im gemütlichen Tempo in Richtung Ziel unterwegs waren, sondern richtig flott unterwegs waren.
Das Beste war jedoch, das Läufer und Nordic-Walker/Walker Rücksicht aufeinander genommen haben!!

Es hat sich gelohnt, den Samstag kurzfristig etwas über den Haufen zu werfen und somit stressiger zu gestalten.
Der Rothaarsteig-Marathon ist ein sehr empfehlenswerter Landschaftslauf!!

Grüße
Michael